Damit Sie unsere Internetseite optimal nutzen können, setzen wir nur technisch notwendige Cookies (kleine Textdateien, die auf Ihrem Rechner ablegt werden). Wir sammeln keine Daten zur statistischen Auswertung. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Seelsorgeteam

  • Abschied Dechant Pfarrer Walter Fuß

    Ulmen. Vielen Besuchern des Gottesdienstes in der St.-Matthias-Kirche in Ulmen ist am Donnerstagabend nicht zum Feiern zumute. Es ist ein Abschied, getragen von sichtbarer Wehmut. „Mir fällt es schwer, dich gehen zu lassen“, sagt Pastoralreferentin Dietlinde Schmidt vor dem Altar des Gotteshauses zu Dechant Walter Fuß, der an diesem Abend von Geistlichen, Mitarbeitern und Gläubigen des Dekanats verabschiedet wird.

    22 Jahre lang war Walter Fuß Pfarrer und Seelsorger in Ulmen. „Das war damals alles sehr überschaubar“, erinnert sich Reinhard Roden, Küster in Alflen. Seitdem ist die Zahl der Pfarreien, um die sich Fuß kümmert, stark gewachsen – auf 20. Die nächste große Veränderung, die Neustrukturierung der Dekanate, hat Fuß bisher mitgestaltet. Doch ab dem kommenden Jahr übernimmt der Dechant eine neue Aufgabe in Idar-Oberstein. „Wir hoffen, dass du dort auf Menschen triffst, die für Veränderungen offen sind und sie wertschätzen“, sagt Roden. Diese Veränderungen sind immer wieder Thema des Gottesdienstes. In einer der Fürbitten beten die Ulmener für die 15 Pfarreien, die im kommenden Jahr „an den Start gehen. Schenke den Menschen Vertrauen und Zuversicht für ihre Aufgaben“, heißt es.

    Dechant Fuß predigt zum Abschied in Ulmen über Weisheit. Sie sei der „Hauch der Kraft Gottes in unserer Zeit“. Ihr Feind ist die Torheit, schlimmer noch, wie der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer sagte, als Bosheit, weil sie unbelehrbar ist. „Der Tor geht auf seinem Weg über Leichen, die anderen kümmern ihn nicht.“ Fuß ruft dazu auf, häufiger Farbe zu bekennen, wenn man auf Torheit trifft. „Die Würde der Menschen ist unantastbar, egal welche Ethnie oder Religion“, sagt der Dechant. Seine Ode an die Weisheit ist ein starker Appell zu Frieden, Gleichheit, Freiheit und Barmherzigkeit.

    Im Gottesdienst kommt auch eine weltliche Stimme zu Wort, Bürgermeister Alfred Steimers dankt im Namen der Kommunen. „Wir haben viele Probleme gemeinsam gelöst“, sagt Steimers. Ehrenamtlichen Helfern und auch Fuß sei es zu verdanken, dass die Aufnahme von Flüchtlingen eben nicht zu einer Krise geführt habe. Steimers sei dankbar für klare Botschaften. Zum Abschied hat er ein paar Scherze auf Lager, ist beruhigt, dass Fuß eine Hin- und Rückfahrt gebucht hat. „Ist der Einsatz im tiefsten Hunsrück eigentlich das Fegefeuer?“, fragt Steimers und erntet die Lacher der Eifler. „Nein, das Fegefeuer kann es nicht sein, dafür hat er zu viel Gutes getan. Wir freuen uns, wenn Sie wieder hier sind“, scherzt der VG-Chef.

    Der Gottesdienst in Ulmen ist weder traurig noch beklemmend. Diejenigen, die zum Abschied gekommen sind, lachen herzhaft oder applaudieren zustimmend. Der stellvertretende Dechant Paul Diederichs spricht auch Probleme an. „Es war nicht immer einfach. Nicht für dich und auch nicht für andere. So ist das Leben.“ Nach dem Abschied hat Walter Fuß einen Kloß im Hals, wie er sagt. Er dankt Weggefährten und Mitarbeitern. „Ich war gerne euer Dechant, auch wenn ich manchmal fordernd oder streng sein musste“, sagt Fuß. Doch das Verhältnis ist herzlich, den Abschiedsworten der Mitarbeiter folgt jeweils eine lange Umarmung. Und nach dem Gottesdienst umringen Walter Fuß zuerst viele Bewohner von St. Martin, dann die Ulmener Jugend. „Ich komme zurück“, sagt Fuß.

    „Ich war gerne ihr Pfarrer. Ich hoffe, ich war ein guter Seelsorger.“

    Dechant Walter Fuß ist beim Abschied sichtlich gerührt.